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Wer wir sind und was wir machen |
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Hier präsentiert sich der philosophische Gesprächskreis (PGK)aus der Nibelungenstadt Worms am Rhein.
Der PGK hat sich im November 2002 an der Fachhochschule Worms konstituiert:
Warum Philosophie? Der Mensch wird hauptsächlich von den folgenden Grundfragen genötigt:
1. Was ist die Natur und was können wir von ihr und/oder durch uns wissen?
( = Erkenntnistheorie)
2. Wie sollen wir als Personen/Gesellschaft leben und was sollen wir tun?
( = Ethik)
3. Was dürfen wir glauben und hoffen, sei es in diesem oder einem künftigen Leben?
( = Metaphysik)
In diesen Fragen stecken z. B. die allgemeinmenschlichen Fragen:
Das Verhältnis von Vernunft und Religion. Gibt es einen Urstoff aus dem die Natur besteht? Ist die Natur räumlich und zeitlich unendlich oder endlich? Gibt es einen Schöpfer der Natur, einen Gott? Ursprung von Gut und Böse. Was ist gut? Was ist Wahrheit? Was ist Wirklichkeit? Sokrates: Was ist Gerechtigkeit? Was ist Freiheit?
Was ist Gleichheit? Verhältnis von Natur und Freiheit. Gibt es einen freien Willen oder bilden wir uns ihn nur ein? Determination oder Prädetermination? Gibt es einen Fortschritt in der Geschichte? Was brauchen wir mehr, Erkenntniswissen, Machtwissen und/oder Heils- und Erlösungswissen? Was ist anzustreben: Sittlichkeit oder Glückseligkeit? Wie verträgt sich Moral und Recht in einem Staatswesen oder in einer Weltgesellschaft? Das Materie-Geist Problem, Vielheit oder Einheit? Objektivismus-Subjektivismus. Ist der Geist in der Natur enthalten oder wird die Natur aus dem Geist gemacht? Hat ein Zellhaufen bereits die Menschenwürde? Der Mensch im Bewusstsein seines Todes. Wir können über die vier Tugenden des Thomas von Aquin reden: Klugheit, Gerechtigkeit, Tapferkeit, Maß. Warum trifft man diese Tugenden so selten an? usw.
In ein und dem gleichen Subjekt befinden sich die Begriffspaare:
wahr - falsch (mathematische Gesetze, logische Gewissheit! →Naturwissenschaften
gut - böse (gibt es hier verbindliche sittliche Gesetze? →Ethik
schön - hässlich (gibt es hier einheitliche gesetzliche Aussagen? →Kunst
Mögliche grobe historische Einteilung der Philosophie:
Alte Philosophie (Vorsokratiker, Sokrates, Platon, Aristoteles)
Mittelalterliche Philosophie (Augustinus, Thomas von Aquin, Duns Scotus, N. von Kues)
Neue Philosophie (Descartes, Spinoza, Leibniz Hume, Kant, Fichte, Hegel, Marx)
Gegenwärtige Philosophie (Nietzsche, Husserl, Heidegger, Sartre, Wittengenstein, Popper, Bloch, Apel, Höffe)
Es gibt viele Standpunkte in der Philosophie.
Die wichtigsten sind die der Idealisten und die der Realisten. Dahinter verbirgt sich das Materie-Geist Problem (Leib-Seele Problem). Streit zwischen Idealisten und Realisten: Schaffen oder Erfassen eines Gegenstandes? Wird ein Gegenstand vom Geist gemacht oder ist er von der Natur gegeben? Was ist das verbindende Element; wie ist die Gemeinschaft von Natur und Geist zu denken? Kann man das Denken auf Gehirnfunktionen chemisch-biologisch reduzieren?
Ganz sicher gilt die Aussage:
Die Natur sagt uns was wir sind, sie sagt uns aber nicht was wir tun sollen.
Zur Philosophie selbst:
Menschen haben schon immer versucht ihr Leben nicht nur abzuspulen, sondern zu einer intensiven Weltsicht, zu einer befriedigenden Deutung und Bestimmung des Menschen zu gelangen. Philosophie bedeutet alles Selbstverständliche von Grund auf in Frage zu stellen. Die Philosophie hat sich zu allen Zeiten mit allen möglichen Gegenständen beschäftigt. Es gibt nichts, was nicht Gegenstand der Philosophie sein könnte und es auch de facto gewesen ist. Die Philosophie ist wissenschaftsfreundlich und geht wissenschaftlich vor, sie beschäftigt sich aber mit viel mehr als es die Wissenschaften tun.
Der Mensch wird von Fragen belästigt, die er nicht beantworten kann, woraus seine Aporie (Ratlosigkeit) folgt. Den Gesamtzusammenhang alles Seins hat allein die Philosophie zum Thema. Philosophie hat immer den Hang zum Unbedingten oder Absoluten, d. h. das Denken wird am Anfang und am Ende immer metaphysisch.
Sinnfrage, die Sinnlosigkeit ist heute eine weitverbreitetes Gefühl. Was ist der unbedingte erste Grundsatz? Kommt er von der Natur oder vom Geist oder etwas anderem?
Der Mensch steht immer vor der Frage nach dem Sinn von Allem und vor allem: was ist seine Bestimmung? Es geht um die Grundfragen der menschlichen Erfahrung und Erkenntnis.
Ich wiederhole:
Die leitenden Gesichtspunkte zur Orientierung im Philosophieren befinden sich in der anthropologische Begriffstrias, die sozusagen den triadischen roten Faden quer durch die gesamte Philosophie bildet:
menschliche Erkenntnis
menschliches Handeln
menschlicher Glaube
Ziele und Zwecke des PGK:
Gleichgesinnte Menschen finden sich ein paar mal im Jahr in einem offenen Diskurs von Meinungen zusammen.
Freude am gemeinsamen Denken und Staunen. [“Der Anfang der Philosophie ist das Staunen.” (Platon)]
Vielleicht mögen daraus neue Einsichten entstehen, die unsere heutige Zeit und unser heutiges Lebensart wiederspiegeln.
Das Philosophieren ist trotz aller Schwierigkeiten eine der schönsten und edelsten Beschäftigung die es im menschlichen Leben geben kann. Die Philosophie kann daher die Lebenskunst und das Lebensgefühl beflügeln.
Sie kann auch Trost, ähnlich wie die Religion spenden.
Wer auch nur einmal mit der Philosophie so richtig in Berührung gekommen ist, wird sich immer von ihr angezogen fühlen.
Die Struktur dieses PGK’s ist offen, alle Teilnehmer bestimmen das Vorgehen. Gedacht ist an offene Diskussionen und die Erarbeitung von philosophischen Einsichten an Hand von einschlägigen Texten quer durch die gesamte Philosophie der Menschheitsgeschichte bis heute. Sinnvoll wäre zu Beginn der Sitzungen (max. 2,5 Stunden) ein kurzes Referat (max 30-45 Min.) eines Teilnehmers, dass in ein von uns ausgewähltes Thema oder Textstelle einführt.
Ich suche philosophisch interessierte und gebildete Leute zwecks Gründung eines philosophischen Gesprächskreises. Es gibt schon einige sogenannte philosophische Cafés, wo sich Leute treffen um gemeinsam philosophische Themen aus Lust am Denken zu diskutieren und zu erhellen. Vielleicht kann das philosophische Denken das Zurechtfinden in unserer heutigen Welt verbessern, d. h. den eigenen Standpunkt zu finden. Philosophie entspringt dem Bedürfnis, über sich selbst und sein Dasein in dieser Welt Klarheit zu bekommen.
Worms, 26. November 2002
Dr. rer. nat. Ulrich Fritz Wodarzik |
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